Lehrstuhl f. Bürgerl. Recht, Römisches Recht, Europ. Privatrechtsgeschichte d. Neuzeit u. Rechtsvergl.

Forschungsschwerpunkte

Die Tätigkeits- und Forschungsschwerpunkte des Lehrstuhls gelten neben dem Römischen Recht, der rechtshistorisch-rechtsvergleichenden Erforschung des europäischen Privatrechts im Hinblick auf eine Rechtsharmonisierung, dem geltenden deutschen Privatrecht sowie den Bezügen zwischen Recht und Kultur.

A) Römisches Recht

Im Bereich des Römischen Rechts steht das Obligationenrecht im Mittelpunkt der Forschungen. Zum allgemeinen Vertragsrecht und zum Irrtumsrecht sind – neben mehreren Vorträgen - bisher zwei Untersuchungen entstanden: die Habilitationsschrift über „Consensus und error“ sowie der Beitrag „Pactum, conventio, contractus - Zum Vertrags- und Konsensverständnis im klassischen römischen Recht“ in den Mélanges Bruno Schmidlin (1998).

Besonderes Interesse gilt den Einflüssen der griechischen Philosophie auf das römische Recht. In diesem Zusammenhang stehen auch aktuelle Forschungen zur antiken Rhetorik und den Argumentationsformen in juristischen Quellen.

Einen weiteren Forschungsgegenstand bildet die Wissenschaftsgeschichte, d.h. eine Auseinandersetzung mit der Romanistik im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei soll vor allem die rechtsvergleichende Neuorientierung der Romanistik durch die Schule von Ludwig Mitteis genauer untersucht werden. Bisher ist im Rahmen dieser Arbeiten eine Studie über Josef Partsch erschienen (in: Zeitschrift für Europäisches Privatrecht 1999, S. 47 - 74).

B) Rechtsvergleichung

Im Zentrum der rechtshistorisch-rechtsvergleichenden Studien stehen Modelle des Einheitsrechts, wie das ius gentium oder die mittelalterliche lex mercatoria, und die Frage, inwieweit diese als Paradigma eines einheitlichen europäischen Zivilrechts dienen können. Die Untersuchungen beziehen neben den Kerngebieten des Bürgerlichen Rechts vor allem auch das Handelsrecht und seine Entwicklung mit ein. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk der Entwicklung und Praxis der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Dieser Forschungsschwerpunkt baut auf den Untersuchungen in der Dissertation „Bona fides und lex mercatoria in der europäischen Rechtstradition“ auf.

Daneben stehen rechtsvergleichende Einzelstudien zum französischen und schweizerischen Recht.

C) Geltendes Bürgerliches Recht in Deutschland

Die Arbeiten zum geltenden Privatrecht konzentrieren sich auf den Allgemeinen Teil, das Schuldrecht sowie das Familien- und Erbrecht. Prof. Meyer-Pritzl ist Mitautor des „Historisch-kritischen Kommentars zum BGB“ und hat die Abschnitte über die Formvorschriften, die Vermögensübernahme und die Geschäftsgrundlage bearbeitet.

D) Recht und Kultur

Schließlich werden am Lehrstuhl die Bezüge zwischen Rechtswissenschaft und Kultur besonders gepflegt. Das Thema „Recht und Literatur“ ist Gegenstand von Seminaren und Exkursionen (vor allem im norddeutschen Raum). Außerdem werden die historischen und aktuellen Verbindungen zwischen den Rechtsfakultäten der europäischen Universitäten erforscht, wobei das Interesse in erster Linie auf Juristenbiographien mit internationalen Lebensstationen gerichtet ist (u.a. Juristen in der Emigration und ihr Einfluss auf die Rechtsentwicklungen in den jeweiligen Gastländern). Diese Arbeiten knüpfen an die langjährige Tätigkeit von Prof. Meyer-Pritzl an der Universität Genf und seine dort betriebenen Archivforschungen zur Genfer Universitätsgeschichte an. Diesem Themenkreis ist auch eine Reihe von Vorträgen gewidmet, die bisher u.a. in Genf, Zürich und Würzburg gehalten wurden.